Claus Fritzsche ist tot: Ein skeptischer Blickwinkel

Der Journalist Claus Fritzsche hat den Freitod gewählt. Dies bestätigt Sebastian Bartoschek nach einem Gespräch heute mit Prof. Walach. Prof. Walach war offenbar in Fritzsches engerem Bekanntenkreis und verkündete seinen Tod im institutseigenen Blog.

Claus Fritzsche ist in den skeptischen Kreisen durch mehrere Internet-Pranger bekannt geworden. Zum Beispiel ließ er sich hier farbenfroh über diverse Journalisten und auch Anwälte aus. Er war ein glühender Verfechter der sogenannten “Alternativ-Medizin” und betreute auch bis vor einiger Zeit den Blog des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.

Ich finde es tragisch, wenn ein Mensch den Freitod wählt. Aber niemand von uns, außerhalb seiner Familie und des engeren Freundeskreises, hat wirklich eine Ahnung warum Fritzsche diesen letzten Schritt wählte. Spekulationen über diese Entscheidung anzustellen und mit dem Finger auf Menschen zu zeigen, die sich inhaltlich auf der Gegenseite seiner persönlichen Einstellung befinden, ist schlicht unangemessen. In Claus Fritzsches Fall sind das die Skeptiker und die schon oben erwähnten Journalisten. Ein Auszug aus dem Nachruf von Prof. Walach, der sich zu solchen Spekulationen hinreißen ließ:

Die öffentlichen Angriffe waren ein letzter Tropfen zu viel in das bereits ziemlich volle Fass eines hochsensiblen und seit geraumer Zeit melancholischen Menschen. Seine wirtschaftliche Basis war schwach, seine Schulden nahmen zu, eine Perspektive war nicht in Sicht. Ein anderer hätte sich vielleicht eine andere Aufgabe gesucht. Claus Fritzsche nahm sich am 14.1.2014 das Leben.

Wenn Prof. Walach im näheren Bekanntenkreis zu Fritzsche gehörte, vielleicht sogar ein Freund, dann ist eine emotionale Reaktion verständlich. Es ist höchst menschlich nach Gründen zu suchen, um einen schmerzhaften Verlust plausibel zu machen. Dennoch ist es aus meiner Sicht falsch dies auf dieser Weise, in einem Nachruf, auf einer Institutsseite einer Universität zu tun.

Ich hoffe wirklich, dass sich die Skeptiker-Szene rund um Psiram, GWUP und weiteren kritisch denkenden Menschen, die betroffenen Journalisten und Anwälte, in sich gehen. Es ist nicht der Zeitpunkt für Schmähartikel. Nehmen wir den Nachruf von Prof. Walach als das was er ist: Ein emotionaler Ausbruch, den schmerzhaften Verlust eines Freundes zu verarbeiten.

17 comments

  1. Stephan

    Bitte, als Professor ist man doch sicher ein wissenschaftlich ausgebildeter und denkender Mensch. Er würde niemals einfach so eine These in den Raum werfen, ohne überlegt zu haben, wie man sie prüfen könnte und dies schon unternommen zu haben. Und wir alle kennen die Viadrina ja als eine wissenschaftliche Institution, die über jeden Zweifel erhaben ist.

  2. celsus

    Ich hoffe wirklich, dass sich die Skeptiker-Szene rund um Psiram, GWUP und weiteren kritisch denkenden Menschen, die betroffenen Journalisten und Anwälte, in sich gehen. Es ist nicht der Zeitpunkt für Schmähartikel.

    Nun bin ich doch neugierig: Was bewegt dich zu der Annahme, dass jemand etwas in der Art vorhaben könnte? Bisher habe ich die allermeisten Skeptiker als recht anständige und freundliche Leute erlebt.

  3. Арлекін

    Ich verstehe diesen Satz auch nicht. “in sich gehen” bedeutet “sich bessern, sich finden, sich läutern, sich verbessern, bereuen”

    Warum sollen Skeptiker sich bessern?

  4. Nordlicht

    In sich gehen, bevor sie etwas “hässliches” veröffentlichen? Mh. Nein. Fritsche ist auch nicht in sich gegangen, er hat zweifellos Andere diffamiert und an den Pranger gestellt. Und die Kritik an ihm wird kaum der einzige Grund für seinen Schritt gewesen sein. Nichts desto trotz: mein Beleid für die Angehörigen und Freunde. Ein Selbstmord ist immer tragisch und schlimm.

  5. YeRainbow

    Das ist doch deutlich.
    Wallach nutzt die Gelegenheit, um noch einmal kräftig mit dem Finger zeigen zu können… “Die da, die waren es!”
    Nun, als Psychologe ist er mit den Konzepten zur Persönlichkeit gut vertraut.
    Oder sollte es zumindest sein.

  6. Ella

    Mit Claus Fritzsche hat sich niemand unterhalten.
    Das ist wohl der einsamste Twitter-Account dieses Planeten – und das nicht erst seit CAMgate:

    https://twitter.com/Claus_Fritzsche

    Wenn der klinische Psychologe Walach nicht bemerkt hat, wie einsam Claus Fritzsche war und wie sehr er nach Anerkennung suchte, ist das nicht gerade ein Aushängeschild für ihn. Er wäre so gerne ein großer Journalist gewesen – und wurde von Quacksalbern für ihre PR verheizt – weil er eben gerade nicht das war, was er gerne gewesen wäre.

  7. Ping: Claus Fritzsche 1964 – 2014 – Kritisch gedacht
  8. Ping: Claus Fritzsche ist tot @ gwup | die skeptiker
    • JolietJake

      Diesen kreuzdämlichen Kommentar findest du so wichtig, dass du ihn nun, nach kritisch-gedacht, auch hier ablaichen musst?

  9. TH

    Ich habe in den letzten Tagen so ziemlich alle online-Reaktionen der Skeptiker-Szene durchgelesen. Da war nichts, was man gegenüber dem tragischen Ereignis als unangemessen ansehen könnte. Der Einzige, der sich pietätlos geäußert hat, indem er versucht, den Tod von CF für seine Zwecke zu instrumentalisieren, ist dieser windige Viadrinologe. Der sollte sich mal was schämen.

  10. Ping: Sie benehmen sich wie Scientology | Der gesunde (T)humor

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