Menschenverachtende Therapie gegen Krebs – Die Arroganz der Homöopathen

Im Zuge der Recherche zum Narayana-Verlag, über dessen Stand wir auf der Frankfurter Buchmesse gestolpert sind, habe ich mich eingehender mit deren Bücherkatalog beschäftigt. Ich bin auf einen “Kracher” gestoßen, der mir den Atem verschlagen hat. Daraufhin habe ich mir den Autor und dessen Umtriebe genauer angesehen und bin zu erschütternden Erkenntnissen gelangt.

Ein gern getätigtes Argument der ach so philantropisch arbeitenden homöopathischen Ärzte und ihrem Heilpraktikerpendant für ihre Heilmethoden ist deren verantwortungsvoller Umgang, da sie ja mehr als der gewöhnliche Hausarzt am Wohl der Patienten interessiert sind. Natürlich sind sie auch gewissenhaft bezüglich der Grenzen der Anwendbarkeit ihrer Methoden. Mittlerweile geben sie öffentlich zu, dass z.B. bei lebensbedrohlichen Krankheiten die pharmakologisch wirksame Medizin angewendet werden muss, weil man sonst Patienten wirkungsvolle Therapien vorenthält. Dies entspricht auch der Empfehlung der deutsche Krebshilfe sowie der deutschen Krebsgesellschaft die die Homöopathie lediglich als “begleitende Therapie” zur Linderung von Nebenwirkungen z. B. von Chemotherapien akzeptieren. Die deutsche Krebsgesellschaft wird bei der Therapiebeschreibung von Brustkrebs sehr deutlich:

[…] Patienten finden heute ein unüberschaubares Angebot an ergänzenden (komplementären), experimentellen und alternativen Methoden. Ob Mistel- oder Thymuspräparate, ob Eigenurin- oder Eigenbluttherapie, ob Homöopathie oder extreme Diäten: Zu bewerten, ob es sich um wirksame Therapien oder um Scharlatanerie handelt, ist nicht immer einfach.

Oft wird durch die Ablehnung schulmedizinischer Therapien und das Herumprobieren mit sanfteren, „alternativen“ Methoden wichtige Zeit verloren, so dass ein ursprünglich heilbarer Krebs metastasiert und damit zur unheilbaren Erkrankung wird. Jedoch gibt es auch immer wieder neue Behandlungsansätze, die nur noch nicht etabliert sind und sich noch im experimentellen Stadium befinden (wie z. B. Hyperthermie), die in Zukunft aber durchaus Bedeutung erlangen könnten.

Die zusätzliche – nicht alternative! – Behandlung mit pflanzlichen Präparaten kann eine Krebstherapie wirksam unterstützen und Nebenwirkungen lindern. […]

Allerdings scheint das dem deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte egal zu sein. Die sonst so auf “ganzheitlich” und dem Patienten zugewandten homöopathischen Ärzte werben offen für eine homöopathische Krebsklinik in der Schweiz. Der deutsche Arzt Dr. med. Jens Wurster wird als Ansprechpartner genannt und dieser ist es auch, der beim Narayana-Verlag Bücher über “Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore” veröffentlicht. Dem DZVhÄ ist offensichtlich bewusst, dass jener Homöopathie nicht als Begleittherapie nutzt, sondern tatsächlich als Therapie gegen Krebs einsetzt.

Einige geheilte Krebsfälle der Klinik belegen, dass auch selbst fortgeschrittene Krebserkrankungen mit der Homöopathie behandelt werden können – was lange nicht für möglich gehalten wurde.

Dieser Arzt ist offensichtlich so stolz über seine Tätigkeit und davon überzeugt, dass in besagtem Buch ausführliche Krankheitsgeschichten dokumentiert sind. In der Leseprobe (pdf) findet sich eine prägnante Aussage von Kollegen seiner Zunft, die ihn aber nicht davon abhalten die menschenverachtende Therapieform weiter zu praktizieren.

Wenn man Tumorpatienten nur homöopathisch behandeln möchte, muss man das heutzutage leider noch fast heimlich tun, um nicht als verantwortungslos von den lieben ärztlichen Kollegen bezeichnet zu werden oder um seine Approbation fürchten zu müssen. Erst kürzlich wurde mir von einem Kollegen höflich mitgeteilt, dass ich es mir nicht einbilden brauche, einen bestimmten Patienten wegen eines Magentumors mit Homöopathie zu behandeln. Sollte ich es doch versuchen, dann werde er es gleich dem Kantonsarzt melden, damit man sofort ein Verfahren gegen mich einleiten kann.

Das der DZVhÄ diese Klinik und diese Methoden unterstützt zeigt mal wieder, dass man sich auf die “Wir wissen schon, wann wir richtige Medikamente geben müssen”-Einstellung auf keinen Fall verlassen kann, nicht bei Heilpraktikern und nicht bei homöopathischen Ärzten. Diese Pseudomedizin ist und bleibt gefährlich für Patienten, weil sie echte Therapie und Heilung suggeriert, wo lediglich der Placeboeffekt wirkt. Es ist menschenverachtend auch deshalb, weil Patienten in einem höchst verletzlichen Zustand, nach jedem Strohalm greifend, ausgenutzt werden.

Als beispielsweise die “Homöopathen ohne Grenzen” mit Homöopathie gegen HIV und AIDS warben, ruderten sie nach großem Medienecho zurück und stellten “Richtlinien” auf. In diesen geben sie zu, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass Homöopathie gegen HIV und AIDS hilft und das sie die klassischen Therapien bevorzugt behandeln.

Es ist dringend notwendig, dass wir laut und deutliche dieses eklatante Fehlverhalten von Ärzten ans Licht bringen. Vielleicht schaffen wir auch hier ein Medienecho, welches so manchen im guten Glauben handelnden Arzt zum umdenken bring.

20 comments

  1. merdeister

    Man macht sich das ja irgendwann gar nicht mehr richtig bewusst. Wenn irgendein medizinischer Halodrie vom DZVhÄ über den grünen Klee gelobt wird, seufze ich mittlerweile nur noch auf. GUt, dass Dich das noch aufregt, man kann es gar nicht oft genug sagen.
    In meinem Mammuttext zu den Auswüchsen der Homöopathie hatte ich geschrieben:
    “In einem Interview mit einer Studentenzeitschrift wird deutlich, dass auch Dr. Saine aus Kanada seine Grenzen als Therpeut ziemlich weit steckt.

    „In seiner großen Praxis in Montreal behandelt Dr. Saine fast ausschließlich schwerstkranke Patienten wie psychiatrische Krankheitsbilder, Aids, MS, Epilepsie, Autoimmunerkrankungen, Nierenversagen, Krebs mit dem Ziel, den Wirkungsbereich und die Möglichkeiten der Homöopathie zu erweitern.“

    Dr. Saine taucht beim DZVhÄ als Referent bei diversen Vorträgen auf, von ihm sollte man nicht zuviel erwarten, wenn es um Grenzen der Homöopathie geht. Er scheint die Qualitäten von mindestens 5 Fachärzten in sich zu vereinen, traut er sich doch zu ein sehr heterogenes Krankheitspektrum abzudecken.”

    Und wenn es schief geht, sind die Patienten Schuld:

    “Als ich diese Begriffe in einen Kongressbericht las, wurde mir anders. Dort ging es um die Behandlung “schwerer Pathologien”, unter anderem Homöopathie bei Krebs. Vor allem ein Zitat fiel mir dabei ins Auge. Das Prinzip homöopathischer Krebsbehandlung, hieß es dort, ließe sich mit folgenden Worte Emil Schlegels (1852 – 1934) zusammenfassen:

    „Leidende (…) müssen sich auf die Behandlung in vollem Maße geistig einlassen. Sie dürfen absolut nicht an die Unheilbarkeit des Zustandes glauben; auch ist ihnen nicht damit gedient, dass sie nur Linderungsmittel verlangen, es muss mit Entschlossenheit und Hingabe eine volle Heilung angestrebt und betrieben werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch in scheinbar hoffnungslosen Fällen doch überraschende Wendungen eintreten können, niemals aber lässt sich bestimmt vorhersagen, was noch möglich ist.“”

    Natürlich werden auch Leute die AIDS homöopathisch Behandeln hofiert, man schmückt sich in ihren Erfolgen und verschweigt das Leid, was sie verursachen.

    Im Herbst gab der DZVhÄ einer Autismus-“Therapie” seinen Segen, indem er eine Fortbildung anerkannte. Ich denke, das sinnvollste, was der Verein machen kann, um Patienten zu dienen, ist sich aufzulösen.

  2. Ping: Der Wahnsinn: Homöopathie gegen Krebs und Bach-Blüten bei Kindesmissbrauch @ gwup | die skeptiker
  3. Hans

    Ich bin vor 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten. An Homöopathie glaub ich eh nicht. Aber schlimmer als alle Kirchen und Wunderheilgläubigen seid ihr Dawkins-Weltverbesserer.
    Schreib doch mal was über multiresistente Keime auf Grund von Pharma-Wahn, oder Menschenversuche für überflüssige Medikamente in Indien und Pakistan. Eine Zahlenaufstellung, wo mehr Menschen sterben, Homöopathie oder Pharma fänd ich ganz interessant. Ach ja. Das passt ja nicht in dein Sekten-Bessermenschen-Bild.

    • Martin

      Die Keime sind nicht aufgrund irgendeines Pharma-Wahns multiresistent, sondern weil auch da die Evolution stattfindet.
      Was das “wo mehr Menschen sterben” angeht: Finden Sie mal eine Kontrollgruppe, die bereit ist, ihre schwere Erkrankung, nur mit Homöopathie behandeln zu lassen…..

    • Jens

      Das schlimme an so Leuten wie dir ist, dass sie andere schlimme Dinge vorschieben. Homöopathie ist mist / Placebo. Punkt. Dass es unseriöse Wissenschaftler gibt, die Pharmaindustrie geldgierig ist oder Ärzte Antibiotika zu oft, unnötig und sogar falsch verschreiben
      ist zwar wahr, ändert aber an der Falschheit von Homöopathie nichts…

  4. Hans

    Haha. Ich hatte ja nur geraten, dass du Dawkins-Jünger_*_In bist, aber bei “über mich” steht ja tatsächlich “Athesistin nach Dawkins”. Muss man da auch ein Glaubensbekenntnis ablegen?

  5. hardy

    [..] “Kracher”
    [..] erschütternden Erkenntnissen

    bei “der ach so philantropisch” bin ich dann, nimm’s mir nicht krumm, ausgestiegen und habe mir gedacht, daß sich hier jemand für eine stelle bei den Deutschen Wirtschafts-“Nachrichten” bewerben will. mag sein, daß du etwas zu erzählen hast, was vielleicht wirklich jenseits deiner eigenen aufregung von relevanz ist … aber wie gesagt, so lesen sich halt beiträge in den DWN oder DMN und deren alarmismus ist mir einfach zuwider.

  6. Federspiel Krista

    Es ist Zeit das Dink beim Namen zu nennen: Homöopathie ist ein (ideales) Placebo, eine SCHEINtherapie. In Potenzen ab C23 bzw. D12 ist nichts mehr drinnen außer Lösungsmittel und Zucker – keine Informtion und auch kein Geist. Wer damit wernsthafte Krankheiten heilen will, ist ein Scharlatan!

  7. Jens

    Ich bin Wissenschaftler…zumindest besitze ich einen wissenschaftlichen Geist und bilde mir ein, Dinge möglichst Neutral zu betrachten. Ich bin also der letzte, der die Homöopathie ablehnt, wenn es Beweise dafür gibt.
    Das schlimme an H ist aber, dass “alle Welt” (Menschen, Ärzte, Krankenkassen) H akzeptieren OHNE dass es Beweise gibt. Und bitte kommt mir nicht mit “die Wissenschaft kann nicht alles erklären”…es geht um FunktionsNACHWEIS und nicht um Erklärung. Die Wissenschaft kennt so einiges, was sie nicht erklären kann…ach, ich reg mich wieder auf.
    H ist ein Glauben und mit Gläubigen kann man nicht diskutieren, da es ja ein Glauben ist. Das schlimme an diesem Glauben, man könnte / müsste ihn Beweisen….macht aber keiner….Warum wohl….
    Egal….
    Die Gläubigen glauben daran und lassen sich nicht abbringen, die “ungläubigen” denken genauso…also für die Katz…ich hoffe nur, dass die H nur sich schaden und nicht anderen (ihren Kindern)…
    tfr Jens

    • Ute

      Ihr redet immer von Menschen, wenn es um Homeopathie geht.
      Ich selbst behandele mich (und meine Familie, Freunde und… Tieren) seit über 20 Jahren mit Homeopathie. Jedes Heilverfahren hat seine Grenzen, aber im täglichen Leben hilft die Homeopathie -ohne Nebenwirkungen und -kostengünstiger als andere chemische Gemische, Pillen und Pomaden. Um auf die Tiere zurückzukommen: Haben Tiere einen Glauben?

      • Julitschka

        Man kann durch Selbstbeobachtung Medikamente nicht testen, da man nie weiß wie der Krankheitsverlauf ausgesehen hätte, wenn man nichts genommen hätte. Es fehlt der Vergleich, da man sonst nicht weiß ob es nicht auch von alleine weggegangen wäre. Sowas passiert bei den meisten Wehwechen die wir im Laufe des Lebens haben. Tiere registrieren durchaus den Gemütszustand ihres Halters. Daher funktioniert der Placeboeffekt auch über Bande bei Tieren, da sie sich dann sicherer fühlen, wenn der Halter keine Sorgen und Ängste mehr hat.

  8. larss

    Entschuldige bitte, aber wer schreib denn so einen Schwachsinn? Seit wann ist die Pharmakologische Therapie bei Krebs sinnvoll? Nach einer äteren Studie aus USA und Australien sterben etwa 98 Prozenz der Chemotherapie-Patienten innerhalb von fünf Jahren. Was ist da bitte menschenverachtend? Doch wohl die Schulmedizin, die sich standhaft weigert, den Krebs als das zu betrachten, was er ist: ein Teil eines sinnvollen biologischen Sonderprogrammes, das nach einem Konflikterlebnisschock einsetzt und in jedem Fall anders als mit Giftgas (Chemo) behandelt werden muß.

  9. Minah

    Ich finde man darf nicht verallgemeinern. Die wirklich guten Homeopathen schreiben keine Abhandlungen oder werben für ihre Einrichtungen. Mein Schwiegervater ,der eine Odysee durch Krankenhäuser durchlebt und dann letztendlich zum Sterben heim geschickt wurde ,lebt heute 20 Jahre später als gesunder Mann ,nachdem er von einem Homeopathen in Nigeria ganz still und leise von seiner Leukämie geheilt worden ist. Ich selbst vertraue absolut auf Naturmedizin und die Resultate sprechen für sich. Zwar verteufle ich die Schulmedizin nicht ,sehe sie aber auch nicht als das Alpha und Omega an.

    • Johannes9126

      @ Minah
      Und wieder eine “zum Sterben nach Hause geschickt und doch von der Alternativmedizin geheilt”- Anekdote.
      Wenn jemand nach Hause geschickt wird, dann ist er austherapiert, nicht automatisch todgeweiht.

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  11. Svea

    Guten Tag, mir wurde von einem homöopathisch arbeitenden Arzt erklärt, dass es sehr wohl einen Erklärungen zur Wirksamkeit der Homöopathie etc gibt. Er meint das Prinzip der Grundregulierung von Prof Alfred Pischinger würde dies beantworten und erklären warum es gerade bei chronischen Erkrankungen und Krebs sinnvoll wäre. Diese Literatur ist mir als Laie leider unverständlich und ich konnte auch keine Kritik im Web finden. Können sie mir (für Nicht-Mediziner verständlich) sagen, erklären was es damit auf sich hat? Ich wäre ihnen sehr froh, wenn ich in Zukunft darauf antworten könnte.

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