“Bundestagswahl 2013 – gesundheitspolitische Sprecher im Interview: Welche Perspektiven hat die Homöopathie?”

Eigentlich wollte ich mich über die Antworten der anderen Parteien auf den Fragenkatalog des deutschen Zentralvereins homöopatischer Ärzte stürzen, aber der Fairness halber beantworte ich ihn anhand unseres Wahlprogramms Gesundheitspolitik (Piratenpartei) für die Bundestagswahl zunächst selbst.

DZVhÄ: Eine Allensbach-Studie zeigte 2009, dass mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland selbst schon einmal homöopathische Mittel verwendet hat (53 Prozent). Erhebungen von Krankenkassen sprechen sogar von 68 Prozent. Die besonderen Therapierichtungen spielen im Gesundheitssystem allerdings eine nur untergeordnete Rolle. Werden Sie sich des Themas annehmen und die Homöopathie als komplementäre Methode politisch unterstützen?

Ausschlaggebend für die Förderung einzelner Therapieverfahren sollte ausschließlich das Zusammenspiel zwischen Kosten und Nutzen für die Bevölkerung sein, nicht wie viele Teile der Bevölkerung ein Verfahren ohne besseren Wissens anwenden. Um dieses Spannungsfeld zu bewerten wurde das IQWiG gegründet, welches diese wissenschaftliche Aufgabe wahrnimmt. Die Aufgabe der Politik sollte lediglich die Schaffung von Rahmenbedingungen für ein Gesundheitssystem sein, in welchem die Gesundheit des Patienten im Mittelpunkt steht und nicht wirtschaftliche Partikularinteressen.

DZVhÄ: Es liegen zahlreiche positive Studien der unterschiedlichsten Designs zur Homöopathie vor. Weitere Forschung ist aber nötig. Werden Sie sich für die öffentliche Förderung der Forschung in diesem Gebiet einsetzen?

Diese Meinung teilen wir nicht. Zahlreiche Studien und Metastudien deren Studiendesigns den Kriterien der evidenzbasierten Medizin genügen, konnten keinen Effekt über den des Placeboeffektes hinaus feststellen. In diesem Zusammenhang wäre der Ausbau der Forschung zum Placeboeffekt in seinen vielfältigen Formen erstrebenswert, weil die Homöopathie ausschließlich auf diesem beruht. Unehrlichkeit dem Patienten gegenüber halten wir an diesem Punkt für moralisch höchst zweifelhaft und gefährlich für die Glaubwürdigkeit aller medizinischer Verfahren. Wir stehen für einen mündigen und informierten Patienten den wir auf Augenhöhe behandelt sehen wollen.

DZVhÄ: Versorgungsforschung ist die einzige Forschung, die einen konkreten Bezug zum Praxisalltag hat. Ihre Ergebnisse haben aber einen nur geringen Stellenwert. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Im Gegensatz zu vielen anderen Forschungsvorhaben sehen wir bei der Versorgungsforschung zu homöopathischen Mitteln nicht, dass wirtschaftlich interessierte Gruppen sich auch finanziell daran ausreichend beteiligen. Wir werden erst einmal abwarten, ob sich das zum Beispiel durch die entsprechend interessierten Ärzte ändert. Darüber hinaus gibt es für Forschungsprojekte eine so große Zahl von Objekten, dass wir den Forschern bei der Priorisierung keine Vorschriften machen wollen. Politik hat sich insoweit auf Rahmensetzungen zu beschränken.

DZVhÄ: Evidence based Medicine (EbM) spielt in der konventionellen Arztpraxis eine nur untergeordnete Rolle. Warum werden Ihrer Meinung nach aber EbM-Regeln als Maßstab für die ärztliche Homöopathie herangezogen?

EbM-Regeln zeichnen sich durch ihre Allgemeingültigkeit aus. Diese ist eine notwendige Bedingung für ein neutrales und aussagekräftiges Bewertungskriterium. Da sie allgemein gültig sind müssen sich auch alle Verfahren mit ihnen messen lassen. Es gibt praktische Grenzen der Anwendbarkeit der Regeln, z. B. bei seltenen Krankheiten und/oder aus ethischen Gründen. Patienten mit so betroffenen Krankheiten dürfen aber nicht vernachlässigt werden. Darum haben sich die unterschiedlichen Evidenzklassen etabliert. Uns ist bewusst, dass noch viel zu wenig alte und etablierte Verfahren hinsichtlich dieser Regeln untersucht wurden, daher setzen wir uns für die Förderung der evidenzbasierten Medizin ein. Auch die Homöopathie muss sich dieser Bewertung stellen. Im praktischen Alltag hat die evidenzbasierte Medizin einen untergeordneten Stellenwert, da die Weiterbildung der Ärzte in diesem Bereich unzureichend und nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht.

DZVhÄ: Wenn es zur Bürgerversicherung kommt, wird die ärztliche Homöopathie dann Bestandteil sein?

Das werden wir nicht allein entscheiden, jedoch setzen sich die PIRATEN zwar für ein Modell ähnlich einer Bürgerversicherung ein, lehnen aber die Übernahme von Homöopathie aus Mitteln der Pflichtversichertengemeinschaft ab.

DZVhÄ: Haben Selektiv-Verträge mit Krankenkassen aus Ihrer Sicht eine Zukunft?

Selektivverträge stellen ein Mittel zur wettbewerbsorientierten Gestaltung des Gesundheitswesens dar, die in vielfältigen Ausprägungen auftritt. Aus unserer Sicht sollten auch die Auswirkungen von Selektivverträgen ein Thema in der intensivierten Versorgungsforschung sein. Allein ökonomischer Wettbewerb im Gesundheitswesen hat bei PIRATEN weniger Anhänger, der Wettbewerb über die Qualität der Leistungen ist bisher wenig ausgeprägt. Daher sehen wir diesen Punkt als noch klärungsbedüftig an. Grundsätzlich lehnen PIRATEN intransparente Vertragsgestaltungen eher ab.

DZVhÄ: Es gibt in Deutschland ca. 10.000 rein privatärztlich niedergelassene Ärzte, davon praktizieren etwa 10 Prozent Homöopathie. Können sich alle Patienten im Rahmen einer Bürgerversicherung von diesen Ärzten behandeln lassen?

Wie bereits oben beantwortet sollte eine solche Frage durch die Gremien der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem beantwortet werden. Nach unserem Stand der Kenntnis würde sich eine solche Maßnahme weder positiv auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung noch auf die Effizienz des Gesundheitssystems auswirken. Aber wir werden niemandem verbieten sich auf eigene Kosten bei privatärztlich tätigen Ärzten behandeln zu lassen.

DZVhÄ: Wie können die ärztlichen Verbände aus der Komplementärmedizin Sie in Ihrer politischen Arbeit unterstützen?

Sie können selbstständig auf eine wissenschaftliche Untersuchung und Bewertung ihrer Therapieverfahren von neutralen Stellen drängen um selbst die Qualität ihrer Dienstleistungen zu messen. Wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Transparenz über den Erfolg und Misserfolg von Therapien ist das einzige Mittel die Qualität der gesundheitlichen Versorgen der Menschen allgemein zu erhöhen.

DZVhÄ: Wer wird der nächste Gesundheitsminister?

Unsere Kristallkugel war zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Fragen leider energetisch falsch aufgeladen. :-P

Vielen Dank, an meine Helferlein von der AG Gesundheitspolitik beim Beantworten der Fragen! <3

54 comments

  1. Agnes de Berlimont

    Leider muß Ihnen diesbezügl. energisch widersprechen. Als mein Hund krank wurde, hat ihn der Tierartz ausschließlich homöop. behandelt und ein Hund kennt nunmal keinen Placebo-Effekt. Aber er wurde gesund und das ohne Chemikalien. Und auch meine Kinder wurden größtenteils so behandelt und sie sind heute kerngesund. Die Chemie macht die Menschen krank und die Pharmaindustrie verdient sich daran eine goldene Nase.
    Beste Grüße AdB

    • Julitschka

      Tiere erfahren sehr wohl den Placeboeffekt, weil der Halter daran glaubt und sie das merken. http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo#Placeboeffekte_bei_Tieren

      Chemikalien sind landläufig alle Stoffe die in der Chemie genutzt werden. Daher sind auch ätherische Öle Chemikalien. Ich sehe Ihren Punkt nicht. Chemie an sich ermöglicht unser gesamtes Leben, die Natur, die Welt. Ohne sie würden wir nicht existieren.

      Die Pharmakonzerne wie Heel etc. die homöopathische Mittel herstellen habe keine exorbitanten Forschungskosten wie übliche Pharmakonzerne deren Produkte sich dem Zulassungsprocedere und Wirksamkeitsnachweis unterziehen müssen. Sie haben mit einigem Abstand die größten Gewinnmargen der Pharmaindustrie überhaupt. Sie brauch nur Wasser und eine verschwindende Menge ihrer “Grundsubstanzen”. Schütteln. Fertig.

    • Annemarie

      Da sind Sie unvollständig informiert. Placebos wirken auch bei Tieren. Wie genau ist meines Wissens noch nicht geklärt, da gibt es nur ungeprüfte Arbeitshypothesen, wäre sicher ein interessantes Thema.

    • Walter Müller

      @ Agnes de Berlimont

      Lass dir sagen, dass das Immunsystem bei Mensch und Tier rund 80 % aller Erkrankungen selbsttätig heilt. Das gilt sowohl für einen simplen Schnupfen bis hin zur Krebserkrankung. Gäbe es dieses Immunsystem nicht, hätte die Menschheit nicht bis ins 21. Jahrhundert überleben können. Die Lebenserwartung unsere steinzeitlichen Vorfahren war zwar um einiges kürzer, aber zumindest bewirkte das Immunsystem, dass zumindest das Zeugungsalter erreicht wurde. Spontane Selbstheilungen durch das Immunsystem schreiben die Homöopathen dann wie selbstverständlich – und zu Unrecht – ihrem Wirken zu.

      Übrigens: Ich selbst erlebte 2005 bei einer Krebserkrankung (Diagnose: CUP-Syndrom = prognostizierte Lebenserwartung ca. 6 bis 12 Monate !) dass meine Erkrankung spontan und ohne jegliche Therapie heilte. Eine erfolgversprechende Therapie war bei dieser Diagnose (CUP-Syndrom = Cancer unknowned primary) auch gar nicht möglich.

  2. Timo

    Sehr erfreuliche Antworten. Wir dürfen uns von diesen Quacksalbern nicht das Geld aus der Tasche ziehen lassen und ernsthafte Krankheiten mit Zuckerkügelchen vermeintlich heilen lassen. Sobald die Wirkungslosigkeit bzw die reine Placebowirkung nachgewiesen ist (sofern das nicht schon der Fall ist) sollen sämtliche (gesetzliche) Krankenkassen Zahlungen zu homöopathisch Mitteln einstellen müssen.

    • novalis

      Hallo Timo, du hast Recht mit Deiner Meinung das wir uns von Quacksalbern nicht verarschen lassen dürfen. Quacksalber gibt es aber auch bei Ärzten der Schulmedizin. Es gibt garantiert eine Vielzahl von Heilpraktikern die ihr Handwerk nicht zum Wohle der “Patienten” einsetzen oder nicht über genügend Wissen verfügen um wirklich helfen zu können. Das liegt aber auch an den Zulassungsverfahrenb für diese Berufsgruppe. Mich hat mein Heilpraktiker übverzeugt, da er sein Handwerk wirklich versteht und den Körper als klompexe Einheit sieht. Er wollte beim ersten Besuch nicht wissen was mir fehlt, er fand es selber bei der Untersuchung heraus. Dieses Vorgehen überzeugte mich. Auch in der Homöopathie gibt es echte Experten und Quacksalber, deshalb muss man die Bürger vor Quacksalbern schützen, da sie großen Schaden anrichten können.

      • Stefan

        Und die Bürger kann man nun mal nur mit sauberer Wissenschaft vor Quacksalbern schützen und nicht mit Erfahrungsberichten.

      • Wolf

        Es gibt keine Schulmedizin. Es gibt nur die Medizin und Humbug-Vodoo-Hexenwerk.

        Wenn man den Snake-Oil_Dealern wirklich das Wasser abgraben will, dann sollte man sich als erstes abgewöhnen deren Kampfbegriffe zu benutzen, denn so werden die in der Gesellschaft verankert.

      • Walter Müller

        @ novalis

        Merke dir: Alle Homöopathen sind wissentlich oder unwissentlich Betrüger. Auch die Heilpraktiker – ich bezeichne sie allesamt als Schmalspurmediziner – verfügen nicht über das Wissen von studierten Medizinern. Dass es aber auch unter Ärzten unfähige Typen gibt, ist leider ebenfalls Fakt. So wie in jedem anderen Beruf gibt es eben auch in diesem Metier einige Nieten. Die Medizin ist eben auch eine Erfahrungswissenschaft und Irrtümer sind daher nicht völlig auszuschliessen.

        • Mirko

          Was die Heilpraktiker angeht, solltest du dich nochmal auf den neusten Stand bringen. Was die für ihre Zulassung wissen müssen, unterscheidet sich nur noch geringfügig von dem, was Allgemeinmediziner studieren.
          Inwieweit sie dieses Wissen danach noch anwenden, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Gilt aber auch für Ärzte, gerade solche im homöopathischen Bereich…

          • Kristin

            Das ist doch totaler Quatsch. Du kannst doch den armseligen Test beim Gesundheitsamt nicht mit eine Medizinstudium vergleichen.

            Heilpraktiker müssen Ü25 sein, mindestens einen Hauptschulabschluß haben und keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Bestehen sie den Test, dürfen sie sich Heilpraktiker nennen. Mehr ist für die “Zulassung” nicht erforderlich!

  3. Orry

    Vollste Zustimmung. Solange Homöopathie keinen wissenschaftlichen Nachweis der Wirkung über den Placeboeffekt hinaus erbringt, sollten die Leistung nicht gezahlt werden. Und so wie es aussieht, wird die Homöopathie niemals diesen Nachweis bringen können, da die Art und Weise wie sie angeblich “funktioniert”, eine chemische Unmöglichkeit ist.

    Es ist schlimm genug, dass es wirksame Medikamente gibt, die die Kasse nicht zahlt, weil sie halt aus dem Katalog rausgeflogen sind und nun jeder, der so ein Medikament braucht, selber zahlen darf. Diese Liste sollte dringend überarbeitet werden, anstatt die Homöopathie drauf zu setzen!

    • novalis

      man sollte mal unparteiisch feststellen wievielen Patienten die Homöopathie geholfen hat um Leiden zu lindern. Ist es dann nicht egal wie es wirkt oder ob man es wissenschaftlich erklären kann? ist nicht der Heilerfolg einere therapie ausschlaggebend? Mir hat Homöopathie geholfen jahrelange Kopfschmerzen los zzu werden. Dank der “Zuckerkügelchen” bin ich jetzt nicht mehr auf Schmerzmittel und derewn Nebenwirkungen angewiesen. Selbst mein Sohn mit 2 Monaten hat Homöopathie geholfen. In dem Alter kann man nicht unbedingt von Placebo sprechen, denn der kleine wußte nicht was er über die Muttermilch bekommen hat, denn meine Frau nahm die Mittel und gab sie dem Kind über die Milch weiter. Ich fänd es schade wenn dieser Zweig der alternativen Medizin aus dem Leistungskatalog verschwinden würde.

      • Saturnous

        Was kann unparteiischer sein als Doppelblindstudien mit denen man die Unwirksamkeit der Homöopathie bewiesen hat. Jegliche Umfrage wie sie sie vorschlagen wäre ja parteiisch – da positiv nur jene antworten würden die aus ihrer (unbewussten) Glaubensüberzeugung der Quacksalberei eine Wirkung zu schreiben. Jeder Zweig der alternativen Medizin hat aus dem Leistungskatalog zu verschwinden – da alternative Therapien die wirken der Evidenz-basierenden Medizin zuzuordnen sind – alternativ = unwirksam / überholt. Der Placeboeffekt tritt auch dann auf wenn der Behandelnde daran glaubt – und das Muttermilch Antikörper transportiert ist auch wissenschaftlich belegt – so das ein Placeboeffekt (der ja auch Titer ansteigen lässt) bei der Mutter zum Säugling durchschlägt – wie ging es dem gleich kranken Zwilling der als Referenzobjekt herhalten musste – ist der ohne homöopathische Behandlung wie erwarten verstorben ?

        • Regula

          Doppelblindstudien, die von der Pharmaindustrie unterstützt werden, sind hier leider wertlos. Aber es stehen unabhängige Forschungszentren an Unis zur Verfügung, die moderne bildgebende Verfahren einbeziehen können. Solche wirklich unabhängigen Forschungen gibt es meinews Wissens noch nicht!

        • novalis

          naja, ich will mal sagen das ich am Anfang auch skeptisch war. ich ließ mich behandeln und bekam diese “Zuckerkügelchen”. Wie kann man denn mit dem Placeboeffekt die Erstverschlimmerung erklären? Sollte wirklich alles Einbildung sein, würde es mir doch nach der Einnahme besser gehen. Da es mir am ersten Tag erst mal schlechter ging als vorher kann es wohl kaum der Placeboeffekt sein. Erst danach spürte ich eine Verbesserung, die bis heute anhält, obwohl ich seit 18 Monaten keine Mittel mehr einnehme. Ohne diese Zuckerkügelchen würde ich bis heute Schmerzmittel konsumieren die bei regelmäßigen Konsum durch die Nebenwirkungen noch weitere Beschwerden hervorrufen würden. Ich bleib der Homöopathie in den Bereichen in denen sie helfen kann treu. Es ist klar das sie bei Knochenbrüchen, akuten Infektionen, Karies oder Krebs nicht zu empfehlen ist, aber bei vielen anderen Beschwerden kann man sie ruhigen Gewissens empfehlen.

          • robert

            Bei harmlosen Beschwerden kann man alles Mögliche nehmen, es kommt in der Tat nicht so drauf an, weil einiges einfach wieder von alleine verschwindet, aber bei einem Kleinkind Bronchitis so zu behandeln kann schon mal zu einer Chronifizierung fuehren, auch wenn es noch so gut gemeint sein mag.
            Und selbst wenn die sehr pauschalerende Kritik einiger Kommentare an der sog. Schulmedizin/Chemie (als gäbe es eine Globuli mit Chemie außer denen mit nur Zucker) zutraefe (die Seuchen sind alle von alleine verschwunden…….), wäre das kein Grund sich wirkungslosen auf absurdem Prinzip basierenden Mitteln zuverschreiben.

          • Stefan

            Der Placeboeffekt hat übrigens wenig mit Einbildung oder “man muss daran glauben” zu tun. Er tritt selbst bei Menschen auf die wissen, dass sie nur ein Placebo bekommen.
            Ich denke das ist oft ein Grund für Missverständnisse in der Diskussion. Viele glauben, wenn man ihnen sagt: “Was bei dir gewirkt hat war nur der Placeboeffekt” man unterstellt ihnen Leichtgäubigkeit oder gar Dummheit.
            Die Aussage “Es ist klar das sie bei Knochenbrüchen, akuten Infektionen, Karies oder Krebs nicht zu empfehlen ist…” spiegelt leider in keinster Weise die Realität wieder. Es gibt unzählige Homöopathen, die behaupten Krebs behandeln zu können. Der Verein “Homöopathen ohne Grenzen” geht in diverse Krisengebiete und behauptet da alles Mögliche behandeln zu können – unter anderem auch Aids.

          • korbinian

            eine erstverschlimmerung kann bei homöopathischen mitteln auftreten die nicht so hochverdünnt sind dass sich darin kein wirkstoff mehr befinden kann. das widerspricht natürlich dem eigentlichen konzept der homöopathie, dass je stärker verdünnt wird desto stärker der effekt ist. das ist natürlich käse.

            genauso quatsch ist aber auch das simile-prinzip. es mag allerdings durchaus nicht stark potenzierte homöopathische mittel geben die einen positiven effekt haben. ich würde dass, falls es das gibt dann aber nicht der homöopathie zuordnen, weil das ja eben genau deren konzept widerspricht.

  4. Panagrellus

    Beeindruckende Antworten, weil erfreulich konkret – ein klarer Standpunkt! Erfreulich vor allem, wenn man anschaut, was andere Gesundheitspolitker zur Frage sagen: Meistens nämlich ein entschiedenes Sowohl-als-auch; “Brücken bauen zur Alternativmedizin ” kommt dann meist in irgendeiner Form vor, und ein Verweis darauf, dass die H. ja ach so beliebt ist.
    Deswegen wähl ich jetzt nicht gleich die Piraten – gibt ja noch andere, vielleicht wichtigere Politikbereiche – aber meinen Respekt habt ihr dafür!

  5. Dietrich Hernmarck

    Schade schade schade, für mich war bis zu diesem Beitrag die Piratenpartei DIE Partei, ich dachte das endlich alte und falsche Überzeugungen aufgebrochen würden.
    Alleine ein Kosten Nutzen Vergleich spricht für die Homöopathie, selbst dann wenn man an die Wirksamkeit nicht glauben kann.

    • JMCQ87

      Der Gedanke der hinter dem letzten Satz steht ist wohl der, dass die Schulmedizin dann im großen und ganzen genauso unwirksam ist?!? Interessante Ansicht! (Ansonsten macht der Satz nämlich logisch keinerlei Sinn…)

    • aeon

      Lieber Dietrich,

      Kosten-Nutzen-Rechnungen verbieten sich meiner Meinung nach bei Gesundheitsfragen in den meisten Fällen. Auf die Spitze getrieben könnte man sonst argumentieren, dass Einäscherungen deutlich billiger sind als Palliativmedizin.

      Im weiteren: so du keine Zahlen dazu vorlegst, wage ich dir *entschieden* zu widersprechen. Allein der Werbeaufwand, mit dem Apotheken darauf hinweisen Homöopathie anzubieten sollte dir zu denken geben: da steckt Geld hinter.

      “Gerätemedizin” mag teuer sein, und der Medizin im allgemeinen wird häufig unterstellt teure Analysen zur Refinanzierung der Anschaffung durchzuführen, aber meist wird tatsächlich auf Patientenwunsch hin untersucht.

      Zudem sind die Summen enorm die manche Freunde, Verwandte und Bekannte in Zuckerkügelchen und ähnliche Dinge investieren.

      Kurze, steile These: Wer z.B. einen Herzinfarktpatienten mit Globuli behandelt gehört IMHO eingesperrt. Auch, wenn der Herzinfarktpatient das gern so hätte, wie neulich wieder in der Verwandtschaft diskutiert.

      Mit mehreren Krebsfällen in näheren Umfeld und einiger Erfahrung mit unbehandelt of tödlich verlaufenden Krankheiten kann ich vor Homöopathie nur schärfstens warnen.

    • dominik

      <>
      Da wissen Sie dann scheinbar mehr als Prof. Claudia Witt von der Charité in Berlin mit ihrer von der Carstens-Stiftung gestifteten Leitung des Projektbereiches Komplementärmedizin: “Bezogen auf die vorhandene Datenlage ist für Deutschland bisher nicht zufriedenstellend beantwortet, ob Homöopathie im GKV-System Kosten einspart oder zu Mehrkosten führt.”

    • Wolf

      Kosten-Nutzen?

      Ein Kilo Zucker ohne Wirkstoff für geschmeidige 800 € ; scheint mir allenfalls ein Nutzen für die Hersteller dieser Glaubulis zu sein.

  6. Holger

    @Dietrich: was die Kosten-Nutzen-Rechnung angeht – dann bitte auch berücksichtigen, was dabei rauskommt, wenn man die ganzen Fälle berücksichtigt (und das sind nicht wenige), wo die Krankheit erst richtig schlimm wurde, weil jemand meinte, sie mit Streuselzucker erfolgreich zu behandeln, und dann letzten Endes doch echte Medizin ran muss – dann aber unter viel schwierigeren Randbedingungen, was dann richtig ins Geld geht

  7. Flo

    Noch immer so viel Ignoranz und blanke Dummheit in der Welt… als nächstes führen sie den Aderlass wieder ein… :(

    • Wolf

      Öhm, bei bestimmten Krankheitsbildern ist ein Aderlass durchaus das Mittel der Wahl -> siehe Hämochromatose.

      Allerdings sind die Zeiten in denen ein Aderlass gegen
      Alles, von Mundfäule bis Analjucken hilft, zum Glück vorbei.

  8. VolkerK

    Die Tatsache, dass Homöopathie seit mehreren Jahrhunderten nicht ausstirbt und viele Patienten sich dort besser aufgehoben fühlen als bei anderen Medizinern, wird immer wieder gerne gesehen.
    Warum ist das so?
    Vielleicht ist es ja nur der Placeboeffekt der Methode an sich. Der Therapeut, der den Patienten wahrnimmt und nicht durchschleust – die Evidenzbasierte Medizin wird in einem Effizienzbasierten Gesundheitssystem eingesetzt, das leider wirtschaftliche und nicht medizinische Effizienz als Prämisse hat.
    Placeboeffekt – da sehe ich in diesem Interview das Problem – und Ehrlichkeit dem Patienten gegenüber schließen einander aber halt aus.
    In der typischen Erkältungsperiode kommen die Menschen zum Arzt, der vielleicht selber gerade angeschlagen ist und das im Gegensatz zu sonst doppelt so volle Wartezimmer mit der Hälfte des Personals “abwickeln” muss. Die Menschen kommen und wollen Hilfe. Doch – abgesehen von einer Krankmeldung für den Chef – kann man kaum etwas anbieten, was mehr als die Symptome lindert und vom Patienten selber zu zahlen ist.
    Da wird dann (zu) oft ein Antibiotikum verschrieben, das wieder die Kasse zahlt und das die bekannten Nebenwirkungen für den Patienten und für alle anderen (multiresistente Keime) hat.
    Dabei sind je nach Zählung 60% aller erkälteten Patienten nur von Viren befallen, die Sekundärinfektion durch Baktieren – gegen die Antibiotika helfen! – haben nichtmal die Hälfte der Patienten.
    Und ohne Bakterien hat ein Antibiotikum nur Nebenwirkungen, wenn Patienten sich besser fühlen, dann durch den Placebo-Effekt, dass der Doktor ihnen *irgendwas* gegeben hat.
    Sogar Christian Weymayr, Co-Autor von “Die Homöopathie-Lüge” sagt dazu:
    ” Eine nutzlose Methode, die keine direkten Nebenwirkungen hat, ist auf jeden Fall besser als eine ebenfalls nutzlose Therapie mit Nebenwirkungen. Bei Verfahren wie der Homöopathie ist die Bilanz zumindest neutral. Wenn bei ausbleibendem Nutzen aber Nebenwirkungen auftreten, wie dies bei der wissenschaftsbasierten Medizin durchaus auch der Fall ist, dann schneidet die Homöopathie tatsächlich besser ab. Wenn zum Beispiel Antibiotika gegen eine Vireninfektion verabreicht werden, dann nützt das nichts, schadet aber. Bei einer Vireninfektion wäre man mit Homöopathika im direkten Vergleich also besser dran. Am besten wäre allerdings, nichts zu nehmen.”
    (http://www.heise.de/tp/artikel/38/38689/1.html)
    Das “nichts nehmen” ist vermutlich nicht durchsetzbar, solange *irgendwer* seinen Patienten *irgendwas* verschreibt – und da sind Zuckerkügelchen gesünder als Tetracycline.
    Ich hielte es für angemessen, den augenscheinlichen Plaeboeffekt zu erforschen und das Gesundheitssystem so auszurichten, dass wir alle was davon haben.

  9. Markus Roder

    Die Piraten haben soeben einen Wähler gewonnen.
    Herzlichen Glückwunsch, derart konkretes hätte ich mir früher von der FDP gewünscht, aber da ist man dem Volkspartei-Syndrom verfallen.

  10. Ping: Interessante Links und Nachrichten 18.06.2013f - Pirat Aleks A.
  11. kinderdok

    vielen Dank für diese klaren Statements zu Globuli + co., die es so von keiner anderen Partei gibt. Ich fürchte nur, dass Ihr Euch mit dieser vernünftigen Ansicht sehr unpopulär macht: Der Glaube an Esoterik, Globuli und Osteopathie nimmt zu.

  12. Ping: Vor der Bundestagswahl 2013: Die Politik und die Homöopathie @ gwup | die skeptiker
  13. Juliette

    Wie schön, dass es wenigstens eine Partei gibt, die dem grassierenden Esoterikschwachsinn widerspricht. Danke!

  14. Uli

    Oh, bisher war ich nicht so für die Piraten. Das liest sich mal klar und eindeutig. Wow.

    (Zur Sache: letztlich ist auch Heilkunst zum Teil Statistik – “Regression to the mean”. Wenn es jemandem schlecht geht, dann führt “Hinwarten” mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Besserung. Ob man mit Hilfe von Homöopathie, Limonade, Placebo, Schulmedizin oder garnichts hinwartet ist dabei statistisch egal. – Zum Lesen empfohlen, wenn man etwas mehr über Statistik in allgemeinverständlicher Form wissen will – und “ob etwas hilft” ist immer auch Statistik: Daniel Kahneman, Schnelles Denken – Langsames Denken.)

  15. Sabine

    Ihr habt einen Fan mehr. Danke für dieses klare Statement, das ich von anderer Seite bzw. anderen Seiten schmerzlich vermisse.

  16. Ping: Esoterische Ministerien und Parteien-Geschwurbel @ gwup | die skeptiker
  17. Ping: Vor der Wahl 2013: Geschichten von der Stuhlgangtherapie @ gwup | die skeptiker
  18. Michael

    Danke, Julitschka, für diese wohltuend zu lesende Stellungname, die ich leider erst heute gefunden habe. Ich habe seit dreißig Jahren Grün gewählt, und bin zur Strafe nun hier in NRW der grünen “Gesundheitsministerin” Barbara Steffens ausgesetzt. Ihr Beitrag hat mir gerade den letzten Schubs gegeben, daran zukünftig nicht mehr mit schuld zu sein.

    Schönen Gruß und weiter so,
    Michael

  19. Peter

    Bin auch erst gerade auf die Stellungnahme gestoßen. Super!
    Nützt Euch nicht viel: Bin sowieso Stammwähler seit den Anfängen.
    Peter

  20. mrmoejoe

    Vielen Dank für die vielen konkret beantworteten Fragen. Genau diese Haltung machen die Piraten für die einzig wählbare Partei für mich.
    Zum Thema Schulmedizin vs. alternative Medizin möchte ich ein kurzes Zitat aus einem Beitrag der GWUP zitieren:

    “Irritierend ist es, dass sich das Unwort “Schulmedizin” mittlerweile in der deutschen Sprache durchgesetzt zu haben scheint. In keiner anderen Wissenschaft muss sich der Experte von selbsternannten Alternativfachleuten belehren lassen.

    Wo sind sie, die Alternativmathematiker? Wo ist der Komplementärmaschinenbau? Warum gibt es keine Physikpraktiker? Die Schulmathematik, Schulphysik, Schulbiologie dürfen sich allgemeiner Geltung rühmen – deshalb nennen wir sie auch Mathematik, Physik und Biologie. Schulmedizin ist Medizin. Der Rest ist Quacksalberei.

    Fangen wir an, die Medizin wieder so zu nennen”
    http://blog.gwup.net/2011/05/01/hamlet-und-der-komplementar-maschinenbau/

  21. Ping: Heilpraktiker verbieten? | Julitschka
  22. Ping: Politischer Montag: Piraten, Homöopathen, Heilpraktiker – und eine bessere Welt @ gwup | die skeptiker
  23. Kosmo

    Na, bei dem Homöopathiebashing,
    was der Haufen von Partei sich hier erlaubt sollte sich jeder Pharmakonzern (außer DHU und Heel) mal fragen, ob sie nicht die Piraten als deren Lobbyfraktion in den Bundestag einsetzen lassen will…

    Hat der Parteivorstand auch wirklich genau untersucht, ob die gesundheitspolitischen Sprecher nicht zufällig von Bayer o.Ä. alimentiert werden?

  24. Ping: Wahlinfo – Eine unaufgeregte Position zur Homöopathie

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